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Interview

Claudia Roth, Bundesvorsitzende Bündnis 90 / Die Grünen, über den 1. Mai in Rostock, Nazis und Jugendliche im Land. mehr

Zum Nachdenken…

„Wer was gelten will,
muss andere gelten lassen.“
– Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Der Nationalsozialismus unter Hitler brachte über 50 Millionen Menschen den Tod. Hunger, Leid und Elend ergossen sich von Deutschland aus über ganz Europa. Daher sollte man glauben, dass die Geschichte Deutschlands Mahnung genug ist, um jemals wieder auf die Rhetorik oder Ideologie von Rechtsextremisten hereinzufallen. Leider gibt es jedoch gerade bei uns, im wirtschaftlich schwachen Osten Deutschlands einen Zulauf von meist jüngeren Menschen für Rechte Parteien und Kameradschaften. Auch ist die Gefahr, dass rechte Parteien in den Landtag einziehen nicht von der Hand zu weisen.

Einer repräsentativen Studie der Universität Leipzig zufolge, sieht die Realität um ein vielfaches dramatischer aus, als dies Wahlergebnisse vielleicht vermuten lassen. Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rechtsextremismus sind offenbar tiefer in unserer Gesellschaft verwurzelt, als angenommen.

Für die Studie, welche in der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschehen“ veröffentlicht wurde und als Download auf der Homepage zur Verfügung steht, wurden 2473 Personen (davon 573 aus dem Osten) vom Meinungsforschungsinstitut USUMA zu den Bereichen „Befürwortung einer Rechtsautoritären Diktatur“, „Chauvinismus“, „Ausländerfeindlichkeit“, „Antisemitismus“, „Sozialdarwinismus“ und „Verharmlosung des Nationalsozialismus“ befragt. In den nachfolgenden Diagrammen sind jeweils die Zustimmungen abgebildet.

diagrammJeder Sechste (16,7%!) ist demnach der Meinung, „wir sollten einen Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert.“

24% stimmen der Aussage zu, dass „Deutschland eine einzige starke Partei (braucht), die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert.“

Ein demokratisches System ist mit diesen Aussagen nicht vereinbar!

diagrammNoch deutlicher fällt die Zustimmung in der Kategorie Ausländerfeindlichkeit aus. Über 35% im Osten und 33% im Westen sind der Meinung, dass Ausländer nur hierher kommen um den Sozialstaat auszunutzen.

Beim zurückschicken oder abschieben von Ausländern - wenn die Arbeitsplätze knapp werden - ergeben sich ähnliche Werte

Generell befinden 37,7%, dass „die Bundesrepublik durch die vielen Ausländer in gefährlichem Maß überfremdet (ist).“

Na dann: „Willkommen bei Freunden!“
diagrammDie Fragen zum Antisemitismus, beziehen sich auf eine mögliche Abneigung oder gar Ungleichwertigkeit der Deutschen gegenüber den Juden.

Offenbar ist die Ablehnung gegenüber Juden im Westen höher als in Ostdeutschland. 18% (11,5% Ost) sind dort der Meinung, dass „Juden mehr als andere Menschen mit üblen Tricks arbeiten, um das zu erreichen, was sie wollen.“
Jeder 5. im Westen und jeder 9. im Osten halten den Einfluss der Juden auch heute für zu hoch.

Jedem halbwegs toleranten Menschen, der sich der deutschen Vergangenheit bewusst ist, muss es hier die Sprache verschlagen.

diagrammFragen zum Sozialdarwinismus betreffen immer auch die Rassismustheorie. Diese sagt aus, dass eine Gleichheit der Menschen aufgrund ihrer Herkunft nicht gegeben ist, es also unterschiedliche Arten/Rassen von Menschen gibt. Daraus ergibt sich dann eine gestaffelte Wertigkeit für Menschen.

Als extrem besorgniserregend müssen die Zustimmungen zu den Fragen der Überlegenheit der Deutschen gegenüber anderen Völkern (15,1%) und der Einteilung in wertvolles und unwertes Leben angesehen werden (13,3%). Dies entspricht ganz deutlich einem rassistischen Weltbild.

diagrammGroße Unterschiede zwischen Ost und West sind auch in der Zustimmung der Fragen zum Nationalsozialismus erkennbar. 15,7% im Westen und „nur“ 6,1% im Osten bejahen die Aussage, dass ohne die Judenvernichtung, Hitler heute als großer Staatsmann angesehen würde.

„Der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten.“ Dem stimmen immerhin 13% im Westen und 9,7% im Osten zu.

Beinahe jeder 10. (7,9% Ost) erkennt eine übertriebene Geschichtsschreibung zum Nationalsozialismus.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass es ganz offensichtlich ein relativ hohes Potenzial an Wählern gibt, die den Ideologien der Rechten Parteien nahe stehen. Aufklärung ist also nach wie vor dringend erforderlich. Erwähnenswert ist zudem, dass es zwar starke Unterschiede im Zustimmungs- oder Ablehnungsverhalten von Ost und West gibt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit jedoch in ganz Deutschland vorzufinden ist. Ein Ost-West-Gefälle existiert demnach nicht.
Bleibt zu hoffen, dass der Mensch lernfähig ist und die Vernunft siegt.

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Rechtsweg ausgeschlossen