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Interview

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Interview mit Katharina Franck

Die gebürtige Düsseldorferin (*1963) verbrachte ihre Kindheit in Portugal und kam erst 1981 wieder nach Deutschland zurück. 1986 gründet sie die Band „Rainbirds“, mit der sie ein Jahr später den internationalen Durchbruch schafft (Hitsingle „Blueprint“). 1989 erschien das zweite, ebenfalls sehr erfolgreiche Album. Die Band hingegen zerbrach im gleichen Jahr am schnellen Erfolg. Katharina Franck führte fortan die Band als Duo, zusammen mit Ulrike Haage weiter. 1994 formieren sich die Rainbirds neu und fungierten mit dem Schlagzeuger Tim Lorenz nun als Trio. Fünf Jahre später wird die bis dato letzte LP der Rainbirds „rainbirds3000.live“ aufgenommen. 2001 ist Katharina Franck mit den brasilianischen Musikerinnen Rosanna & Zèlia auf Deutschlandtour. Aktuell ist ihr neues Album „First Take Second Skin“ erschienen. Katharina Franck und Band gehen demnächst auf Deutschlandtour.

Katharina Franck: Also ich bin Katharina Franck, Sängerin und Songwriterin.

DGB-Jugend: Ok. Gibt es für dich heute irgendwie eine besondere Motivation, einen besonderen Ansporn, hier zu sein, hier zu spielen?

Katharina Franck: Naja also ich erster Linie sind wir ja eingeladen worden, um bei der Gegenveranstaltung zu dem NPD-Aufmarsch glaub ich oder zum Naziaufmarsch an sich zu spielen und das ist jetzt erst mal Anlass genug. Und ansonsten trete ich halt unheimlich gerne auf *lacht* Und in so einem Rahmen natürlich auch.

DGB-Jugend: Ok. Siehst du, gerade auch als Künstler, dich besonders verpflichtet, irgendwie auch politisch aktiv zu sein oder jetzt hier gerade gegen Nazis ein Statement zu setzen?

Katharina Franck: Also so gegen Nazis ein Statement zu setzen fühle ich mich verpflichtet aber als Künstlerin fühle ich mich nicht verpflichtet, politische Statements zu geben.

DGB-Jugend: Das ist dein persönliches Statement!?!

Katharina Franck: Genau.

DGB-Jugend: Ok, alles klar.

Katharina Franck: *lacht*

DGB-Jugend: Was war die letzte Demo, wann warst du zum letzten mal selber auf der Straße, für was hast du demonstriert?

Katharina Franck: *überlegt* Hm Demo, da muss ich mal gucken... wann das war... ich glaube... das hatte irgendwie was mit Bush zu tun, ich weiß es nicht mehr ganz genau aber es war auf jeden Fall glaube ich eine Anti-Kriegs-Demo.

DGB-Jugend: Was macht deiner Meinung nach die NPD oder Rechtsradikale so attraktiv für Jugendliche, dass die gerade so einen Zulauf haben?

Katharina Franck: Das weiß ich ehrlich gesagt nicht, weil ich diese Attraktivität nicht nachvollziehen kann. Also es gibt natürlich viele Theorien... ist schwer zu sagen, ich glaube ganz ganz viel mit diesem -ja so eine Art Gemeinschaftsgefühl, was die ja versuchen irgendwie herzustellen- auch zu tun und ich kann mir gut vorstellen, dass es vielen Jugendlichen wie eigentlich zu allen Zeiten geht... einfach, dass sie sich oftmals ziemlich verloren fühlen so in der Welt an sich und wer dann also am lautesten schreit, dass er nen Plan hat, der schafft es dann natürlich die erstmal zumindest neugierig zu machen. Und dann gibt es wahrscheinlich jede Menge Angebote, die denen so gemacht werden, die vielleicht auch erstmal kurzfristig attraktiv sind. Und manche Leute sind halt eben dann auch wenn sie jung sind noch nicht so gefestigt in ihrer Meinung. Und vielleicht haben die aus irgendeinem Grunde halt Mittel und Wege, dann solche ungefestigten Menschen so an sich zu binden.

DGB-Jugend: Meinst du, da könnte hier von der Politik auch irgendwas dagegen gesteuert werden? Hast du da vielleicht irgendwie selber Ideen, was man dagegen setzen könnte?

Katharina Franck: Na ich weiß leider nicht... meistens sind es doch irgendwie individuelle Personen, die so was können, also die dann vielleicht von den Politikern wiederum gefördert werden könnten oder finanziell unterstützt werden können. Also im Großen und Ganzen ist es doch eher so, dass in so kleineren Kreisen und kleineren Gemeinden es immer wieder Leute gibt, die Ideen haben, die versuchen den Jugendlichen dann was anderes zu bieten, was einfach ein bisschen aufgeschlossener und toleranter im Allgemeinen auch ist.

DGB-Jugend: Mehr Jugendarbeit vielleicht?

Katharina Franck: Mehr Jugendarbeit und einfach auch Angebote, die jetzt nicht so im Gießkannenprinzip über die Jugendlichen ausgeschüttet werden. Sondern das man halt mal hingeht und fragt „Was interessiert euch eigentlich wirklich so?“. Aber das sind alles nur so Theorien von einer Frau aus der Großstadt. *lacht* Keine Ahnung wie`s im Land ist.

DGB-Jugend: Ok. Hast du vielleicht noch irgendwas, was dir am Herzen liegt, was du gerade vielleicht den Jugendlichen sagen möchtest oder was du ihnen mit auf den Weg geben möchtest? Noch so ein Schlussstatement? Vielleicht gerade gegen Rechts?

Katharina Franck: Naja ich meine... es ist natürlich schwer zu sagen, weil ich natürlich nicht unbedingt jetzt in deren Haut stecke. Aber wenn man irgendwie Ideen und Pläne hat, wie man selber was machen könnte, dass man versucht irgendwie mit mehr Eigeninitiative auch einfach seinen Vorstellungen entgegenzuarbeiten. Das können natürlich jetzt auch rechte Jugendliche in Anspruch nehmen *lacht*. Es ist schwer zu sagen... also einfach, dass man vielleicht, wenn man das Gefühl hat, man kriegt von den sogenannten Oberen nichts, dass man halt hingeht und es fordert und einfach sagt „wir haben aber z. B. diese oder jene Idee und damit würden wir uns gerne beschäftigen“, statt einfach nur da rumzusitzen und zu warten, dass jemand auf sie zukommt. Weil das ist auch oft nicht machbar, es sind zu viele Menschen auf der Welt.

DGB-Jugend: Man soll für seine Ideen kämpfen und dazu stehen!?!

Katharina Franck: Ja und neugierig bleiben und wenn man jemanden komisch findet fragen „Warum bist du so?“, also dass man einfach neugierig und interessiert bleibt.

DGB-Jugend: Ja ok.

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